Abtreibung: Sie ist dafür, er ist dagegen

Abtreibung: Sie ist dafür, er ist dagegen
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Die 28-jährige Karin ist Mutter eines 2-jährigen Jungen und wieder schwanger. Damit erfüllt sich für ihren Ehemann Jan, mit dem sie seit 10 Jahren zusammen ist, ein großer Traum. Sein Wunsch war es seit seiner Jugendzeit mit Karin viele Kinder zu bekommen. Doch damit steht er allein da, denn Karin hat sich, ohne ihren Mann zu fragen, für eine Abtreibung entschieden. Doch darf sich eine verheiratete Frau rechtlich für eine Abtreibung entscheiden, wenn der Mann dagegen ist? Und was bedeutet ein uneiniger Schwangerschaftsabbruch für die Beziehung? Ich habe mit Jan und Karin darüber gesprochen.

Abtreibung: Darf sich eine Frau rechtlich für eine Abtreibung entscheiden, wenn der Mann dagegen ist?

Die Rechtslage

In Deutschland regelt § 218a des Strafgesetzbuchs unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch straflos möglich ist. Hierbei muss u. a. die Schwangere den Abbruch der Schwangerschaft verlangen. Daraus leitet sich zum einen ab, dass niemand, außer die Schwangere selbst, verlangen kann, dass eine Abtreibung durchgeführt wird. Zum anderen entscheidet auch nur die Schwangere allein, ob sie ein Kind auf die Welt bringen möchte. Hintergrund für die Rechtslage ist u. a., dass eine Frau über ihren eigenen Körper ausschließlich selbst bestimmen darf, was sie möchte und was eben auch nicht. Aus rechtlicher Sicht darf sich eine Frau, verheiratet oder nicht, bewusst für eine Abtreibung entscheiden.

Abtreibung: Sie ist dafür, er ist dagegen
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Was bedeutet ein „uneiniger“ Schwangerschaftsabbruch für die Beziehung?

Therese: Liebe Karin, bist du aus Versehen schwanger geworden?

Karin: Ich hatte die Pille zweimal vergessen, weil ich in der letzten Zeit viel unter Druck stand. Aber ich wollte ganz sicher nicht bewusst schwanger werden.

Aus welchen Gründen hast du dich für eine Abtreibung entschieden? 

Jan und ich haben erst vor einigen Monaten ein Haus auf dem Land gekauft, um der Großstadt zu entfliehen. Um nicht täglich fast 1,5 Stunden zur Arbeit zu fahren, habe ich mich in der Gegend nach einem Job umgesehen und habe ganz in der Nähe vor einigen Wochen einen gefunden und bekommen. Eine Schwangerschaft und ein Baby passt einfach derzeit nicht in mein Leben. Ich spreche bewusst von meinem Leben, da ein Baby in Jans Leben momentan passt und damit nicht in unser gemeinsames.

Du hast dich trotz dessen für den Schwangerschaftsabbruch entschieden, obwohl du wusstest, dass dein Mann dagegen ist. Warum?

Ich war mir bewusst, dass es Jan sein Wunsch ist, dass wir das Kind bekommen. Dabei vergisst er aber auch meine Situation. Unser Sohn ist gerade einmal zwei Jahre. Die meiste Zeit kümmere ich mich um ihn nach der Arbeit. Jan arbeitet sehr viel, verbringt wenig Zeit mit uns und ich habe auch erst einen neuen Job bekommen, den ich nicht sofort verlieren möchte. Ich kann derzeit einfach noch nicht richtig durchatmen, habe zu viel Stress und eine Schwangerschaft und alles was danach kommen würde, würde mich einfach noch mehr belasten. Ich fühle mich dem nicht gewachsen und das sollte Jan nicht außen vor lassen.

Jan, wie hast du dich gefühlt, als du von der Schwangerschaft erfahren hast?

Jan: Ich war einfach nur glücklich. Viele meiner Freunde sind vor kurzem zweifach Papas geworden und ich habe mir das auch so sehr gewünscht, aber dabei sollte es wohl auch bleiben- beim Wunsch.

Karin hat sich für eine Abtreibung entschieden, ohne dir eine Wahl zu lassen. Wie gehst du damit um?

Ich finde es nicht fair, dass sie sich im Alleingang für eine Abtreibung und damit auch gegen unser Kind entschieden hat. Wir hätten uns zusammensetzen und darüber ausgiebig sprechen müssen. Ich bin mir sicher, dass wir gemeinsam eine Lösung und einen Weg gefunden hätten. Doch eine so weitreichende Entscheidung allein zu treffen, spricht nicht für unsere Beziehung.

Karin, hätte es eine Möglichkeit gegeben, dass Jan dich umgestimmt hätte?

Karin: Nein, unter keinen Umständen. Ich habe ihm wirklich keine Wahl gelassen und habe zu meinen Gunsten entschieden, das ist richtig.

Hat sich seit dem Schwangerschaftsabbruch eure Partnerschaft verändert und habt ihr mit dem Gedanken gespielt euch zu trennen?

Jan: Definitiv. Ich dachte, dass wir zusammen an einem Strang ziehen, einen gemeinsamen Weg und Vision haben. Unsere Beziehung hat mit der Abtreibung an Stabilität verloren. Mein Vertrauen in Karin ist weniger geworden und die Beziehung hat ganz klar einen Bruch erfahren, mit dem ich derzeit noch schwer umgehen kann. Ich würde mir wünschen, dass wir zusammenbleiben und sie eines Tages doch noch bereit ist mir ein Kind zu schenken.

Karin: Ich spüre, dass Jan sich verändert hat. Er distanziert sich von mir, wir reden nur noch das nötigste und mir ist leider auch zu Ohren gekommen, dass er anderen Frauen bei der Arbeit schöne Augen macht. Vielleicht versucht er sich damit zu rächen, was leider nicht für eine weitere Zukunft sprechen würde.

 

Wäre eine „uneinige“ Abtreibung ein Trennungsgrund für euch?

 

THERESE ist Gründerin der Agentur „Die Treuetester“ und „Loyal Match“, Treue- und Beziehungs-Expertin und selbst treu. Sie beantwortet gerne Frag Therese-Fragen und redet niemals um den heißen Brei. Ihr Motto lautet: „Die schönste Sache der Welt, die Liebe, sollte man einfach mit jedem teilen“. Sie selbst teilt klassisch monogam, also gar nicht.

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