Schwanger in Frankreich: Die Geburtsvorbereitung

Schwanger in Frankreich: Die Geburtsvorbereitung

Das Motto „Andere Länder – andere Sitten“ gilt auch für die Vorsorge in der Schwangerschaft: „Schwanger in Frankreich: Schwangerschaftsvorsorge“. Doch gibt es auch Unterschiede, wenn es heißt „Endspurt Geburtsvorbereitung“ zwischen Deutschland und seinem Nachbarland Frankreich?

Geburtsvorbereitung in Frankreich

Das Warten auf die Versicherung 

Als ich im Mai letzten Jahres meinen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, war ich so überwältigt, dass ich mir gar nicht darüber bewusst war, welcher administrative Krieg noch auf uns zukommen wird. Ende August endete meine Krankenversicherung in Österreich und damit war es dringend erforderlich hier in Frankreich eine neue Krankenversicherung zu bekommen. Ich war in der 18. Schwangerschaftswoche und alle vier Wochen stand unsere Schwangerschaftsvorsorge an. Als wir alle notwendigen Dokumente bei der Versicherung einreichten, war ich noch guter Hoffnung. Guter Hoffnung, dass alles schnell gehen würde, denn schließlich war ich schwanger. Das war die Theorie. Die Praxis hieß: Abwarten und Tee trinken. Nein, sie heißt: Abwarten und Tee trinken.

Einen Monat später bekamen wir einen Brief und ich freute mich schon, dass alles so schnell klappte. Doch ich freute mich zu früh. Wir sollten Dokumente und Formulare nachreichen. Alle geforderten Unterlagen schickten wir einen Tag zurück. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, denn schließlich hatte die Versicherung jetzt sämtliche Dokumente. Doch die gute Hoffnung wurde mit einem weiteren Schreiben genommen, in dem wir aufgefordert wurden, Unterlagen zu schicken, die wir bereits Anfang September persönlich abgegeben hatten. Sie waren plötzlich verschwunden. Ohne zu diskutieren, schickten wir die geforderten Dokumente erneut. Und heute, fünf Monate später, warten wir noch immer auf meine Krankenversicherung und das, obwohl ich mittlerweile hochschwanger als Notfall eingestuft wurde. „Bonjour Unsicherheit!“.

Nachwehen ohne Versicherung

Jede Frau, die schon ein Kind auf die Welt gebracht hat, weiß wie sich Nachwehen anfühlen. Schrecklich. So auch fühlen sich die Nachwehen ohne Versicherung an. Mit jedem vierwöchigen Termin kam auch der Termin, an dem wir zahlen mussten. Den Arzt. Und manchmal auch das Labor. Und dann auch noch die Echografie. Ohne Versicherung musst du zahlen. Alles. Und bis zur 35. Schwangerschaftswoche hielten sich die Rechnungen (ca. €1.400) noch im Rahmen, doch mit der Geburtsvorbereitung wurden die Unsicherheit und Kosten, die auf uns zukamen, überdimensional.

Krankenhaus oder Klinik?

Seit unserer ersten Vorsorgeuntersuchung im Juni letzten Jahres nahmen wir alle vier Wochen einen Termin bei meinem deutschsprachigen Arzt wahr. Und mit fortschreitender Schwangerschaft und der Unsicherheit darüber, ob ich überhaupt bis zur Geburt eine Versicherung haben werden, mussten wir uns langsam Gedanken über die Geburtsvorbereitung machen. Normalerweise sollte man sich in Frankreich, sobald man weiß, dass man schwanger ist, in einem öffentlichen Krankenhaus (hôpital) zur Geburt anmelden. In einer Privatklinik (clinique) sollte die Anmeldung im Laufe des 7. Monats durchgeführt werden. Unser Arzt ist für zwei Privatkliniken in Paris tätig. Doch da wir noch nicht wussten, ob ich eine Versicherung haben werde oder nicht, schoben wir unsere Entscheidung immer weiter hinaus bzw. stand fest, dass eine der beiden Privatkliniken infrage kommen werden. Schließlich hatten wir den Arzt seit Beginn der Schwangerschaft und er wusste auch, dass wir die Kosten der Geburt selbst tragen mussten, wenn wir bis dahin keine Bestätigung von der Versicherung in den Händen halten konnten. Ja, für uns stand fest, dass wir mit ihm an unserer Seite in einer der beiden Kliniken unsere Tochter zur Welt bringen würden. In der 35. Schwangerschaftswoche war es nun höchste Zeit endlich eine endgültige Entscheidung zu treffen. Mit dem Wissen, dass wir die Kosten für die Geburt selbst tragen würden. Wir entschieden uns also für eine Anmeldung in einer der Kliniken in Paris und dann kam der Schock: ohne Versicherung sollten wir €8.000 für die Geburt anzahlen. Nein, die Rede ist nicht von einer Anzahlung für ein Auto, sondern für die Geburt. Wir schluckten.

Die Kosten für die Klinik in Paris:

Arzt: €2.000
Anästhesie: €600
Kinderarzt: €120
sonstige Kosten: €120
Zimmer pro Tag: €300 – €600

Die Gesamtkosten würden bei einem 3-tägigen Aufenthalt bei ca. €3.750 – €4.740 liegen. Die Differenz zur Anzahlung würden wir erst 6-8 Wochen nach der Geburt zurückerhalten.

Das war definitiv zu viel und kam nicht in frage. Gleichzeitig war ich enttäuscht über unseren Arzt, der uns hätte früher darauf aufmerksam machen können, zumal er wusste, dass wir die Kosten selbst tragen würden. Da standen wir nun. Ohne Versicherung. Ohne Anmeldung im Krankenhaus oder einer Klinik. Und voller Unsicherheit.

Die Kosten für die Entbindung im Krankenhaus sollten noch höher sein, als in einer Klinik. Und für eine Anmeldung war es ohnehin zu spät. Ich war verzweifelt und gleichzeitig stieg die Unsicherheit von Stunde zu Stunde. Es war frustrierend. Doch wie es der Zufall wollte, rief meine Schwiegermutter einen Tag später an und sagte uns, dass wir uns in der Klinik in St. Germain erkundigen sollten, da diese einen sehr guten Ruf hat. Und auch ein Freund rief uns am selben Tag an und schwärmte von der Klinik. Schicksal?

Wir beschlossen also am nächsten Tag mit sämtlichen Unterlagen in die Klinik zu fahren, in der Hoffnung, dass die Kosten nicht unseren Rahmen sprengen würden und wir uns anmelden könnten. Dort angekommen, mussten wir erst einmal warten und als wir dann dran kamen und unsere Situation schilderten, kam die gute Nachricht: eine Anmeldung ist möglich. Allerdings müsste einer der Gynäkologen mich als Patientin aufnehmen und mich bei der Geburt unterstützen. Die Dame begleitete uns in die gynäkologische Abteilung und erklärte der dortigen Sekretärin unsere Situation mit der Bitte, dass Sie uns schnellstmöglich einen Termin bei einem der Ärzte geben soll. Doch zu unserem Glück kam gerade in dem Moment ein Arzt und die Dame bat ihn sofort um Hilfe. Dr. S. wirkte auf den ersten Blick sehr sympathisch und bat uns sofort seine Hilfe an. Er bat uns in seinen Behandlungsraum, wir schilderten auch ihm unsere Situation und er entschied sich sofort mich als Patientin aufzunehmen. Und als er uns die Kosten für die Geburt nannte, fiel uns ein Stein vom Herzen. Er verlangte €300 für die Entbindung. Wir bedanken uns bei ihm und vereinbarten einen neuen Termin zwei Tage später für eine Untersuchung. Wir gingen also zurück zu der Dame, um die Anmeldung vorzunehmen und sie teilte uns die restlichen Kosten mit.

Die Kosten für die Klinik in St. Germain:

Arzt: €300
Anästhesie: €200 – 250
Kinderarzt: keine Angaben
Zimmer pro Tag: €120 – €195

Die Gesamtkosten würden bei einem 3-tägigen Aufenthalt bei ca. €900 – €1.200 liegen.

Ohne lange zu überlegen unterschrieben wir die Anmeldung. Unabhängig vom Kostenfaktor fühlten wir uns sehr gut beraten und sofort gut aufgehoben.

Die Geburtsvorbereitung in Frankreich

Die Geburtsvorbereitung konnte nun endlich beginnen. Zwei Tage später waren wir nun bei unserem neuen Arzt zur Untersuchung. Dr. S. fragte mich, wie die Schwangerschaft bisher verlief, in welcher SSW (36.) ich wäre, wie viel Kilo ich zugenommen habe und nach sämtlichen Blutergebnissen. Anschließend machte er noch einen Ultraschall und untersuchte, ob der Gebärmutterhals sich bereits verkürzt hatte und ob der Muttermund schon geöffnet ist. Er sagte mir noch, dass ich einen Termin beim Anästhesisten vereinbaren und eine Hebamme aus der Klinik kontaktieren sollte. Damit war die eigentliche Geburtsvorbereitung auch schon abgeschlossen, denn meinen Arzt würde ich erst wieder zur Geburt sehen und nicht wie in Deutschland alle 14 Tage. Ebenfalls ist, anders als in Deutschland, kein CTG vor der Geburt vorgesehen, wenn die Schwangerschaft ohne Risiken oder Auffälligkeiten verläuft.

Der einzige Termin vor der Geburt und im Rahmen der Geburtsvorbereitung ist der Termin beim Anästhesisten. Unabhängig davon, ob eine PDA gewünscht wird oder nicht, handelt es sich um einen Pflichttermin, da auch im Falle eines (Not-)Kaiserschnitts eine Anästhesie notwendig ist und dafür vorab schon alles besprochen sein muss. Er klärte mich über die Risiken auf und erklärte mir auch, dass ich bei einer PDA mithilfe einer Pumpe selbst entscheiden kann, wie viel Schmerzmittel ich möchte. Ich ließ dieses Thema erst einmal offen und wollte mich vorab gar nicht festlegen, ob ich eine PDA in Anspruch nehme oder nicht. Die notwendigen Blutuntersuchungen müsste ich trotz allem vorab durchführen lassen.

Unsere Geburtsvorbereitung ist abgeschlossen und nun heißt es wieder einmal: Abwarten und Himbeerblättertee trinken. Darin haben wir ja schon Übung.

 

 

THERESE ist Gründerin der Agentur „Die Treuetester“ und „Loyal Match“ , Treue- und Beziehungs-Expertin und selbst treu. Sie beantwortet gerne Frag Therese-Fragen und redet niemals um den heißen Brei. Ihr Motto lautet: „Die schönste Sache der Welt, die Liebe, sollte man einfach mit jedem teilen“. Sie selbst teilt klassisch monogam, also gar nicht.

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