Mama-Alltag: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Mama-Alltag: "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?"

Viele Menschen ohne Kinder glauben, dass der Mama-Alltag ein Zuckerschlecken wäre. Schließlich hat man doch so viel Zeit. Für die Kinder, den Haushalt und natürlich auch noch für sich, um ganz entspannt die Beine hochzulegen. Natürlich! Und scheinbar denken das auch viele Väter. Für all die Menschen, die offensichtlich keine Ahnung davon haben, was es heißt Mama zu sein, habe ich meinen ganz normalen Mama-Alltag festgehalten. Vor allem aber für den Vater meiner Kinder.

Mama-Alltag: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Es ist 8:00 Uhr, als mein Kinder-Wecker klingelt. Unsere Tochter (6 Monate) hat Durst. Ich schiebe mein T-Shirt hoch und „docke“ sie an. Wie oft sie in der Nacht wach war, weiß ich nicht. Ich habe nicht gezählt und funktioniere auch nur nach dem Prinzip: „Baby weint, T-Shirt hoch, andocken, weiterschlafen, Seite wechseln“. Unser Sohn (21 Monate) krabbelt auf mir rum und braucht noch ein paar Streicheleinheiten, bevor er aktiv wird und mein Ernst des Lebens beginnt.

Nach dem Aufstehen muss ich unserem Sohn erst einmal seine Flasche Wasser geben, bevor er einen Tobsuchtsanfall bekommt. Mein Gang zum WC bleibt auch nicht unbemerkt, denn wie ein Entchen kommt er  hinterher und schaut mich mit seinen großen Augen an, während ich „Pipi“ mache. Nach meiner Katzenwäsche wechsele ich vollgekackte Windeln und ziehe unsere Kinder an. Ach und wo bist du eigentlich um die Zeit? Im Bett, wie jeden Tag.

Während unser Sohn ungeduldig auf sein Frühstück wartet und kurzerhand selbst in seinen Hochstuhl klettert, spielt unsere Tochter auf der Krabbelmatte. Nach dem Frühstück ist es bereits 9:00 Uhr. Zeit, um wie jeden Tag den Haushalt auf Vordermann zu bringen. Und während unsere beiden Kinder alle Körbe mit Spielzeug ausräumen und in der Wohnung alles verteilen, versuche ich wie ein Heinzelmännchen auf irgendwelchen illegalen Substanzen im Turbo-Gang das Wohnzimmer, Küche und Kinderzimmer vom Staub zu befreien, Wäsche zu waschen, WC und Bad zu putzen.

Und aus der Ferne höre ich schon, wie unsere Tochter schreit, weil unser Sohn glaubt, sie sei ein Pferd auf dem er reiten könnte. Man könnte bei dem Gestank aber wirklich meinen, dass wir ein Pferd zu Hause hätten. Es ist die Windel unseres Sohnes, die voll mit „Kacka“ ist. Unsere Tochter hat sich solidarisch angeschlossen und so wechsele ich beiden die Windel.

Mittlerweile ist es 10:00 Uhr und eigentlich an der Zeit, um das Familien-Frühstück vorzubereiten. Doch unsere Tochter hat noch Durst und so stille ich sie, während ich mit unserem Sohn ein Buch anschaue. Zwanzig Minuten später beriete ich das Frühstück vor. Der routinierte Ablauf wirkt für einen Außenstehenden sicher wie einstudiert. O-Saft hier, Kaffee da, Müsli dort. Innerhalb von 10 Minuten steht alles auf dem Tisch. Und nun klingelt auch Punkt 10:30 Uhr dein Wecker. Du lässt dir Zeit und kommst erst 15 Minuten später aus dem Schlafzimmer, obwohl du hörst, das unser Sohn quengelt, weil er es nicht abwarten kann seinen Quetschi zu essen.

Du setzt dich an den gedeckten Tisch. Wie jeden Morgen. Die Wohnung ist schon sauber. Wie jeden Morgen. Die Kinder schon versorgt. Wie jeden Morgen. Wir essen zusammen und danach räume ich den Tisch ab, mache unser Bett und sauge die Wohnung. Wie jeden Tag. Während du mit unserem Sohn ein Video schaust und dabei deine Füße hochlegen kannst, gehe ich schon innerlich meine To-Do-Liste durch. Unsere Tochter ist eingeschlafen und unser Sohn wird auch langsam müde. Es ist 11:30 Uhr und ich lege mich mit ihm ins Bett. In der Hoffnung, er würde schnell einschlafen und in der Hoffnung, dass unsere Tochter nicht sofort wieder aufwacht.

Und während ich mit unserem Sohn im Bett liege, bereite ich Instagram-Posts vor und checke Mails. Für die Arbeit. Du machst schnell den Abwasch und verkriechst dich dann aufs WC, wo du wie jeden Tag um die selbe Uhrzeit eine halbe Stunde verbringst. Unser Sohn schläft und ich laufe wieder wie ein Heinzelmännchen auf illegalen Substanzen durch die Wohnung. Nehme die Wäsche ab, hänge neue auf. Räume Spielzeug zusammen. Alles im mute-Modus, damit unsere Tochter nicht wach wird.

Der Haushalt ist erledigt. Häckchen dahinter. Wie gerne würde ich jetzt meine Füße hochlegen. In Ruhe duschen, meine Nägel machen oder ein Buch lesen. Doch ich habe keine Zeit. Ich muss arbeiten, denn ich bin selbstständig. In dem, was ich tue, bin ich routiniert. Alles geht schnell. Mails hier. Anrufe da. Kalter Kaffee dort. Auch die Arbeit ist erledigt. Check. Und wo bist du? Im Fitness-Studio. Ich schaue auf die Uhr. Es ist 12:30 Uhr. Erfahrungsgemäß bleibt mir nur noch eine halbe Stunde Zeit, bevor unser Sohn aufwacht und wieder nach Essen verlangt. Und ich? Was mache ich jetzt? Workout oder Lernen? Unsere Tochter nimmt mir meine Entscheidung ab, denn sie hat wieder die Windel voll und hat Durst. Und während ich nun endlich meine Beine hochlege und sie stille, schiele ich mit einem Auge auf meine Aufzeichnungen zum Lernen. Ja, ich studiere auch noch und muss bald eine Prüfung schreiben.

Eine halbe Stunde später kommst auch du zur Tür herein und es wird Zeit, dass du dich für die Arbeit fertig machst. Unser Sohn ist natürlich auch schon wach. Während beide Kinder sich beschäftigen, koche ich. Frisch, wie jeden Tag. In der Zeit bist du duschen und ziehst dich an. Unser Sohn kommt hin und wieder zu dir, um zu sehen, was du machst. Mittlerweile ist es 14:00 Uhr. Zeit für dich zu gehen und Zeit für uns zu essen. Nun sind wir allein, denn du wirst erst nach Mitternacht von der Arbeit nach Hause kommen.

Nach dem Essen spüle ich ab und mache die Küche sauber. Unsere Tochter wird gewickelt und bekommt neue Sachen an, bevor wir raus gehen. Unser Sohn schaut sich währenddessen ein Buch an und fragt mich immer wieder, was in seinem Buch abgebildet ist. Ich muss wieder stillen, damit unsere Tochter schläft. Sie ist quengelig und müde. Sie schläft ein. Unser Sohn bekommt das Handy und schaut die üblichen Kinderverdächtigen, damit er nicht in die Versuchung kommt unsere Tochter zu wecken, während ich meine Zähne putzen und duschen kann. Endlich. Ich beeile mich, damit wir so schnell wie möglich an die frische Luft können. Anziehen, schminken, Haare machen und dann ein Schrei. Oh nein, denke ich.

Unser Sohn hatte genug vom Video schauen und springt auf unserer Tochter rum. Ich bin genervt davon, da ich ihm schon 1000 Mal gesagt habe, dass er das nicht machen soll. Unsere Tochter weint und lässt sich nur schwer beruhigen. Sie weint und schreit, während ich unseren Sohn anziehen muss, damit wir endlich loskommen. Ich packe Schnuller, Flaschen, Essen, Windeln und Co. in die Tasche, parke unsere Tochter in der Babyschale ab und schnaufe einmal durch, denn unser Sohn macht alles, nur nicht das, was ich von ihm möchte. Es ist schon nach 16:00 Uhr, als wir endlich im Auto Richtung Lieblingspark sitzen. Eine halbe Stunde später kommen wir an und ich stehe vor der Wahl, welches Kind in den Kinderwagen kommt. Ich lasse unsere Tochter in der Babyschale und klicke sie auf den Kinderwagen. Unser Sohn muss laufen oder mit seinem Laufrad fahren.

Im Park schiebe ich dann beide Kinder durch die Gegend. Sie sind ruhig und ich habe Zeit einmal richtig durchzuatmen. Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm, denke ich mir noch. Denn nachdem unser Sohn auf dem Spielplatz friedlich gespielt hat, bekomme ich seinen Tobsuchtsanfall zu spüren, weil er das Auto von einem anderen Kind haben will. Und obwohl die Eltern des Jungen damit einverstanden sind, dass er es nehmen kann, bin ich dagegen, denn man nimmt nicht einfach Sachen von anderen Kindern und vor allem nicht ohne zu fragen. Er macht einen riesen Zirkus und alle Eltern sehen mich mitleidig an. Mir ist es egal. Ich gehe mit einem zornigen Kind wieder Richtung Auto. Auf dem Weg wird auch unsere Tochter quengelig. Sie hat Durst. Ich gebe sie ins Tragetuch, um sie zu beruhigen. Unser Sohn ist noch immer zornig und weiß nicht, was er möchte. Mal will er laufen, dann wieder auf sein Laufrad. Es ist ein ständiges hin und her und ich bin genervt davon. Dann steht er wieder weinend vor mir und will getragen werden. Als wäre ich ein Oktopus und hätte Tentakeln. Die letzten Meter trage ich beide Kinder und schiebe den Kinderwagen. Ich bin scheinbar doch ein Oktopus.

Es ist mittlerweile 18:30 Uhr, ich stille unsere Tochter noch schnell im Auto und ich bin ehrlich gesagt froh, wenn beide Kinder im Bett sind. Ich bin k.o. und meine To-Do-Liste ist noch längst nicht abgearbeitet. Kurz nach 19:00 Uhr sind wir wieder zu Hause und ich bereite das Abendessen für unseren Sohn vor. Nach dem Essen geht er baden. Währenddessen ziehe ich unserer Tochter den Pyjama an. Nachdem beide Kinder um 20:00 Uhr bettfertig sind, setzen wir uns auf das Sofa, schauen eine Netflix-Miniserie für Kinder und ich hoffe, dass unsere Tochter einschläft, während ich sie streichele. Sie schläft, doch unser Sohn macht sie wieder einmal wach, in dem er extra laut durch die Wohnung schreit. Habe ich schon einmal gesagt, dass ich diese Momente hasse?

Ich nehme beide Kinder mit ins Bett und liege wie ein armes Würstchen zwischen ihnen. Irgendwann schlafen beide. Als ich mich aus dem Zimmer schleichen will, wird unsere Tochter wieder wach. Ich nehme sie mit ins Wohnzimmer. Es ist 21:30 Uhr und sie schläft wieder ein. Ich mache mir endlich etwas zum Essen und widme mich dem Ende meiner To-Do-Liste: der Buchhaltung. Zwei Stunden später ist alles erledigt und ich beschließe noch für meine Prüfung zu lernen. Eine halbe Stunde später kommst du nach Hause und kurz danach wird auch unser Sohn wieder wach, der nach seiner Flasche Wasser verlangt. Er macht unsere Tochter wach, weil er wie am Spieß heult. Ich lege meine Aufzeichnungen zum Lernen weg und ende wieder als armes Würstchen im Hot-Dog zwischen unseren Kindern im Bett. Bis zum nächsten Morgen an dem der Mama-Alltag wieder so beginnt, wie er am Morgen zuvor begonnen hat. Und dann frag ich dich: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“.

 

 

Die Liebesfibel sein Gast möchte lieber unerkannt bleiben. Vielleicht aus Scham, Angst aufzufliegen oder weil es sich anoynm einfach leichter lebt. Vielen Dank lieber Gast-Autor für die tolle Liebesverstärkung.

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1 Kommentar

  • Ganz ehrlich. Nicht nur das du das alles so schaffst ist bewundernswert aber ich würde es ihm nicht so einfach machen. Ich weiss nicht wie seine freien Tage aussehen und ob dich noch andere unterstützen. Aber so sollte ein Mama Alltag nicht aussehen! Vor allem nicht wenn du noch arbeitest und studierst und ja ich habe auch eine Ausbildung mit Kind gemacht, hatte 2 Jobs war 40h arbeiten und habe mittlerweile mein drittes Kind und nein ich bestehe darauf das mein Mann mich unterstützt und auch wenn ich ihm zeigen kann das ich alles alleine schaffe. Sehe ich es nicht ein. Denn es sind auch seine Kinder.
    Ganz viel Kraft dir weiterhin und liebe Grüße<3

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