Sexuelle Belästigung: Was man(n) darf und was man(n) nicht darf

Sexuelle Belästigung: Was man(n) darf und was man(n) nicht darf

Seitdem öffentlich wurde, dass der US-amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein jahrelang Frauen sexuell belästigt und sogar vergewaltigt haben soll, äußern sich immer mehr Opfer sexueller Belästigung. Vielen Betroffenen fehlte bislang der Mut über ihre Erlebnisse zu sprechen oder rechtliche Schritte gegen ihre Peiniger einzuleiten. Doch seitdem Alyssa Milano Opfer sexueller Belästigung und Missbrauchs dazu aufforderte ein Zeichen zu setzen, berichten immer mehr Frauen unter dem Hashtag #MeToo über ihre Erlebnisse. Und einige Männer gestehen mit #Ihave öffentlich, dass sie Frauen belästigt haben. Doch wo fängt sexuelle Belästigung an und was darf man(n) und was darf man(n) nicht?

Sexuelle Belästigung im Privatleben

Gemäß §184i Abs. 1 StGB wird die sexuelle Belästigung in Deutschland wie folgt definiert:

„Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn nicht die Tat in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.“

Der Tatbestand des §184i Abs. 1 StGB setzt eine in sexuell bestimmter Weise körperliche Berührung und Belästigung durch den Täter voraus. Sexuelle Belästigung ist also nur dann gegeben, wenn es tatsächlich zu einer körperlichen Berührung kommt. Doch heißt das automatisch, dass alles verbale erlaubt ist? Nein, wie einige Beispiele zeigen sollen.

Darf man(n) oder darf man(n) nicht?

Darf man(n) Frauen küssen, sie umarmen oder einen Klaps auf den Po geben?

Wenn die Frau, dem Kuss, der Berührung oder dem Klaps auf dem Po zustimmt, dann darf man(n) das. Dagegen stellen aufgedrängte Küsse, unerwünschte Umarmungen oder ein unerwünschter Klaps auf den Po sexuelle Belästigungen im Sinne des §184i Abs. 1 StGB dar.

Darf man(n) Frauen Dick Pics (Penisfotos) schicken?

Wenn die Frau einen Mann auffordert bzw. ihm klar und deutlich zu verstehen gibt, dass sie gerne ein Dick Pic von ihm haben würde und der Mann dies freiwillig schickt, dann darf man(n) das. Wichtig ist, dass das Foto einvernehmlich verschickt und empfangen wird. Schickt man(n) dagegen einer Frau unaufgefordert Dick Pics, dann kann dies unter Umständen den Tatbestand des §184 Abs. 1 Nr. 6 StGB, Verbreitung pornographischer Schriften, erfüllen. Pornographische Schriften umfassen nämlich auch sexuelle Bilder und Videos mit sexuellem Inhalt.

Darf man(n) Frauen anzügliche Nachrichten in Chats oder über WhatsApp & Co. senden?

Anzügliche Nachrichten, ganz egal, ob über Social Media oder WhatsApp, können den Tatbestand des §185 StGB, Beleidigung, erfüllen, wenn sie vom Gegenüber nicht gewünscht sind. Auch hier gilt das Prinzip der Einvernehmlichkeit.

Darf man(n) Frauen die Tür aufhalten?

Ja, man(n) darf Frauen die Tür aufhalten. Damit zeigt man auch, dass man ein Kavalier ist, der sich höflich und hilfsbereit verhält.

Darf man(n) Frauen noch Komplimente machen?

Ja, man(n) darf Frauen Komplimente machen. Allerdings ist es ein Unterschied, ob man der eigenen Freundin/Frau oder einer fremden Frau Komplimente macht. Für die eigene Freundin/Frau kann es durchaus ein Kompliment sein, wenn man(n) ihr sagt, dass ihr Arsch geil ist. Derartige Komplimente mit einer besonderen Hervorhebung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen sind bei den meisten fremden Frauen unerwünscht. Allgemeine Floskeln, wie Du bist hübsch.  können dagegen durchaus schmeicheln. Generell sollte man darauf achten, auf sexuelle Ausdrücke, wie z. B. geil, sexy oder heiß zu verzichten.

 

exuelle Belästigung: Was man(n) darf und was man(n) nicht darf

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Doch nicht nur im Privatleben, sondern auch am Arbeitsplatz kann man gerade durch das Abhängigkeitsverhältnis zum Opfer sexueller Belästigung durch Vorgesetzte, Geschäftspartner, Kollegen oder Kunden werden. Gemäß §3 Abs. 4 AGG wird die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wie folgt definiert:

„Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung in Bezug auf § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 4, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.“

Anders als im Privatleben reicht hier bereits eine verbale Belästigung aus, um den Tatbestand der sexuellen Belästigung zu erfüllen.

Darf man(n) oder darf man(n) nicht?

Darf man(n) z.B. eine Kollegin immer wieder zufällig überall berühren?

Wenn die Kollegin immer wieder zufällig, z.B. am Oberschenkel, an der Hüfte oder sogar am Hintern berührt wird, dann kann dies den Tatbestand der sexuellen Belästigung erfüllen, wenn sich die Kollegin durch die „zufälligen“ Berührungen belästigt fühlt.

Darf man(n) z.B. einer Kollegin ein sexuelles Angebot machen?

Nein, man darf einer Kollegin kein sexuelles Angebot am Arbeitsplatz machen. Dies umfasst auch Aufforderungen zum Sex oder Aussagen, wie z.B., dass man gerne Sex mit dieser Kollegin hätte.

Darf man(n) z.B. einer Kollegin Komplimente machen?

Man darf einer Kollegin Komplimente machen, aber auch wie im Privatleben kommt es immer darauf an, welche Komplimente man macht. Komplimente mit sexuellen Anspielungen haben am Arbeitsplatz nichts verloren. Genauso wie im Privatleben sollte man genau überlegen, welche Äußerungen zum Aussehen angebracht sind und welche nicht. „Deine neue Frisur steht dir gut.“ ist ein nettes Kompliment, dagegen ist eine Äußerung über „die wundervollen Lippen“ unangebracht. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man besten keine Komplimente zum Aussehen machen. Besser sind inhaltliche Komplimente, wie zur Arbeitsweise & Co.

Darf man(n) am Arbeitsplatz sexuelle Anspielungen oder zweideutige Witze reißen?

Sexuelle Anspielungen oder zweideutige Witze können für manche Kollegen weniger lustig sein. Wer immer wieder sexuelle Anspielungen oder Witze macht, der kann schnell in die sexuelle Belästigung rutschen, vor allem dann, wenn sich z.B. Kollegen angesprochen und belästigt fühlen.

Darf man(n) Poster oder Kalender mit Nacktbildern am Arbeitsplatz aufhängen?

Poster oder Kalender mit Nacktbildern am Arbeitsplatz sind tolerierbar, wenn man in einer reinen Männerdomäne, wie z.B. in einer KfZ-Werkstatt arbeitet. Doch selbst hier könnten sich auch männliche Kollegen durch das Aufhängen von pornographischen Darstellungen belästigt fühlen. Bevor man Poster oder Kalender mit Nacktbildern aufhängt, sollte man sich das Einverständnis von sämtlichen Kollegen einholen.

Sexuelle Belästigung & Missbrauch im Privat- und Berufsleben sind nicht tolerierbar und müssen zur Anzeige gebracht werden, damit die Täter bestraft werden. Jeder sollte über sein Verhalten gegenüber anderen nachdenken, sich in die Lage anderer hineinversetzen und sich die Frage stellen, ob das eigene Verhalten belästigend oder erniedrigend sein könnte.

 

 

THERESE ist Gründerin der Agentur „Die Treuetester“ und „Loyal Match“ , Treue- und Beziehungs-Expertin und selbst treu. Sie beantwortet gerne Frag Therese-Fragen und redet niemals um den heißen Brei. Ihr Motto lautet: „Die schönste Sache der Welt, die Liebe, sollte man einfach mit jedem teilen“. Sie selbst teilt klassisch monogam, also gar nicht.

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2 Kommentare

  • Ehrlich gesagt als Chef habe ich immer schon einen deutlichen Abstand zu meinen Mitarbeiterinnen gehalten. Und wenn sie mir zu nahe gekommen sind, habe ich sie darauf hingewiesen, denn auch Chefs können sexuell belästigt werden. Vorallem das heute unglücklicherweise so häufig verwendete Du habe ich grundsätzlich vermieden. Andererseits ist gerade meine ehemalige Chefassisstentin meine heutige Ehefrau. Wenn ich da nicht ein paar mal ein wenig forscher an die Sache herangegangen wäre, wären wir wahrscheinlich heute nicht verheiratet. Vorallem die Aussage mancher Sexualforscher, dass Anmache am Arbeitsplatz gar nicht geht, widerspricht sich erheblich mit der Tatsache, dass die meisten Partnerschaften am Arbeitsplatz geschlossen werden. ICh denke nicht, dass all diese Paare durch gedankenübertragung zusammenkommen. Also das Thema ist und bleibt heikel.

    • Danke dür deinen Kommentar. Es freut mich zu hören, dass du deine Frau am Arbeitsplatz kennengelernt hast und natürlich hast du Recht, dass viele ihre zukünftigen Partner in der Arbeitswelt kennenlernen. Doch da geht es ja auch um das Deuten von Signalen- beidseitig. Und um die Frage, ist meine Annäherung erwünscht oder nicht. Eigentlich sollte das gar kein Thema sein, wie weit man gehen darf, kann, soll.

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